Hans Hin­rich Brü­ning (1848-1928): Ein Pe­ru­for­scher aus Hof­feld

`Pyramide von Collús - Huaca de Collús
„Pyra­mide von Collús - Huaca de Collús, 1899“ (Foto von Hans Hin­rich Brü­ning (Aus­schnitt) In: Raddatz, Corinna (Hrsg.): Foto­do­ku­men­te aus Nord­peru von Hans Hein­rich Brüning (1848-1928), Selbst­verlag des Ham­bur­gi­schen Mu­seums für Völ­ker­kun­de mit Un­ter­stüt­zung der Kul­tur­ab­tei­lung des Aus­wär­ti­gen Am­tes, Bonn, Ham­burg 1990, S. 120)



Einige Lebens­da­ten und In­fos über die Errun­gen­schaf­ten des Pe­ru­for­schers

Der Bor­des­holmer Hei­mat­for­scher Paul Stef­fen fasste ei­ni­ge Le­bens­daten von Hans Hin­rich Brü­ning so zusam­men: „Der Bauern­sohn wurde am 20. August 1848 in Hof­feld bei Bor­des­holm geboren. Seine Eltern waren Jochim und Magda Brüning, ge­bo­rene Brock­stedt. Hans Hinrich Brüning In: Steffen, Paul (Hrsg.): Hans Hein­rich Brüning 1848-1928, Leben und Werk eines Völkerkundlers,Er wuchs auf dem el­terli­chen Brü­ning-Hof auf und be­such­te die Schu­le in Bor­des­holm. Ab 1865 ab­so­lvier­te er die Techni­sche Hoch­schule (damals Poly­tech­nische Schu­le) in Han­nover in der Aus­bil­dung zum Inge­nieur. 1875 ging der 27jäh­ri­ge über Ham­burg nach Peru in das nörd­liche Küsten­ge­biet. Dort leb­te er na­he­zu fün­fzig Jah­re lang. Nur im Jahr 1897/98 kam er nach Hof­feId zur Gol­de­nen Hoch­zeit seiner El­tern zu­rück. In Pe­ru war Hans Hein­rich Brü­ning als Inge­nieur und Völ­ker­kund­ler tä­tig. Sein Geld ver­dien­te er un­ter an­de­rem mit dem Han­del von Ma­schi­nen und land­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ten. Sei­ne For­schun­gen er­streck­ten sich auf das Land, die Bau­ten und die ein­heimi­sche Be­völ­kerung mit ih­ren Sit­ten und Ge­bräuchen. Hier­bei be­tä­tigte er sich als Fot­ograf [Fotos von Hans Hin­rich Brü­ning in der „Deut­schen digi­talen Bibli­othek - Kultur und Wis­sen online“] sowie als Be­richt­er­stat­ter über Kunst, Kultur, Flora, Fauna, der Muchik­sprache und dem Wetter seines Gast­landes. Darüber korres­pon­dier­te er mit namhaften Wis­sen­schaft­lern und ver­öffent­lichte unter anderem Reise­be­richte. Als Aus­gräber und Sammler brachte Don Enrique ein um­fang­rei­ches Sor­ti­ment von wert­vollen Stü­cken aus der peru­ani­schen Kul­tur zusammen. Die Haupt­samm­lung er­hielt der Staat Peru. Sie bil­dete den Grund­stock des bedeu­tenden Museo Brüning [Museo Arqueológico Nacional Brüning) in Lambayeque in Peru. Hans Hinrich BrüningÜber 2000 Fotos, Aufzeichnungen, Funde und Er­in­ne­rungs­stü­cke gin­gen an das Ham­bur­gi­sche Mu­se­um für Völ­ker­kun­de. [Jetzt `Mu­seum am Rothen­baum – Kul­turen und Künste der Welt´, kurz: MARKK] Die Über­gabe er­folg­te nach der Rück­kehr im Jah­re 1925. Am 23. Juni 1926 zog Hans Hein­rich Brü­ning nach Bor­des­holm in das Haus von Anna Appel in der Holsten­straße in Bor­des­holm. Nach einem erneuten Schlag­anfall starb er am 2. Juni 1928 in einer Kieler Klinik. Die Ur­nen­beiset­zung fand am 14. Juli 1928 in Bor­des­holm statt.” (In: Steffen, Paul: Bor­des­holm in alten An­sichten, Euro­päische Bibliothek, Zalt­bommel 1997)

Das Ur­nen­grab ist lei­der ver­schollen, aber im März 2017 fand eine be­son­dere Eh­rung von Hans Hin­rich Brü­ning und ei­ne fei­er­li­che Ein­wei­hung ei­ner Ge­denk­ta­fel ne­ben dem Grab sei­ner El­tern auf dem al­ten Fried­hof vor der Kloster­kirche in Bor­des­holm statt.

Für die er­folg­rei­che ZDF-Sen­de­rei­he Ter­ra X ist der Do­ku­men­tar­film „Gold­py­ra­mi­den im In­ka­reich“ über Hans Hin­rich Brü­ning ge­dreht wor­den. Der Film ist au­gen­blick­lich nicht in der ZDF-Me­di­a­thek, aber auf You­Tube zu se­hen. Dort las­sen sich auch wei­tere Fil­me über das nach Hans Hin­rich Brü­ning be­nann­te Mu­seum fin­den. Bü­cher über die Kul­tur­ge­schich­te Pe­rus hat das pe­ru­ani­sche Mi­ni­ste­ri­um für Kul­tur (Mi­ni­ste­rio de Cul­tura Perú) ver­öf­fent­licht.




Hans Hin­rich Brü­ning als Mu­siker und Mu­sikwis­sen­schaft­ler

Hans Hin­rich Brü­ning spielte Gei­ge und gab so­gar Gei­gen­un­ter­richt. Sein In­te­res­se an der Mu­sik be­zeu­gen sei­ne Lie­der­samm­lun­gen wie „Volks­lie­der aus Pe­ru“. Er tau­schte sich auch mit dem ös­ter­rei­chi­schen Mu­sik­eth­no­lo­gen E­rich Mo­ritz von Horn­bos­tel aus und schick­te ihm Mu­sik­in­stru­men­te und Ton­auf­nah­men. 1897/98 kauf­te Hans Hin­rich Brü­ning sich mit 49 Jah­ren auf ei­ner Rei­se nach Deutsch­land ei­nen ei­gen­en Foto aus Wikipedia: Edison Home Phonograph mit Wachswalze, Dezember 1900 Phonographen. Da­mit mach­te er die er­sten Ton­auf­nah­men in Pe­ru über­haupt. Ei­ni­ge Lie­der mit per­sön­li­chen An­sa­gen sind auf gal­va­ni­sier­ten Wal­zen, al­so halt­bar ge­mach­ten Ab­drücken der Ori­gi­nal­wal­zen, erhal­ten ge­blie­ben. Vir­gi­nia Yep und Cha­lena Vás­quez ha­ben 1998 das Ar­chiv in Berlin be­sucht, in dem die Wal­zen auf­be­wahrt wer­den und den in­teres­san­ten Vi­deobei­trag „Gra­ba­cio­nes de Brüning en Perú” pro­du­ziert und ver­öf­fent­licht. Im Jahr 2003 er­schie­nen in der Rei­he „Histo­ri­sche Klang­do­ku­men­te“ des Ber­liner Pho­no­gramm-Ar­chivs zwan­zig sei­ner Wal­zen­auf­nah­men auf der CD „Wal­zen­auf­nah­men Aus Pe­ru - Gra­ba­cio­nes En Ci­lin­dros Del Pe­rú (1910-1925)”. Vier der Auf­nah­men ha­be ich auf­ge­schrie­ben und für Gi­tar­ren­duos ar­ran­giert.

Ein ent­schei­den­der Grund für mein In­te­res­se am Pe­ru­for­scher Hans Hin­rich Brü­ning be­ruht auf der Tat­sa­che, dass ich in der Al­ten­teil­kate sei­ner El­tern und Groß­el­tern auf dem Brü­ning­hof ei­nen we­sent­li­chen Teil mei­ner Kind­heit ver­bracht ha­be. In der Wohn­stu­be sei­ner Groß­eltern stand die Gitar­re mei­ner Mut­ter und im Gar­ten hin­ter dem Haus ha­be ich mei­ne er­sten Ton­lei­tern auf einer Block­flöte ge­übt. Auf Kin­der­ge­burts­tagen wur­den mit den Nach­bar­kin­dern zu­sam­men ge­sungen und Sack­hüp­fen und Eier­laufen ge­spielt, Spiele die wahr­schein­lich auch Hans Hin­rich Brü­ning aus sei­ner Kind­heit kann­te. Die Erin­nerun­gen an die le­cke­ren Leb­ku­chen­häu­ser von Frau Steen (geb. Brü­ning) im Haupt­ge­bäu­de des Bauern­ho­fes moti­vier­ten mich be­son­ders, ein Buch über das Ge­burts­haus von Hans Hin­rich Brü­ning zu schrei­ben.




Der Na­me „Hans Hin­rich Brü­ning“ im Tauf- und Ster­be­re­gister und Va­rian­ten sei­nes Vor­na­mens

„Tauf- und Beerdigungsregister“

So­wohl im Tauf­re­gi­ster als auch im Be­er­di­gungs­re­gi­ster wur­den als Vor­na­me „Hin­rich“ und nicht „Hein­rich“ ein­ge­tra­gen. des­we­gen be­nutze ich die­se Form. Ich neh­me an, dass im nord­deutschen Sprach­raum, ge­nauer im Um­kreis der Kir­che und der Amts­stuben im Amt und Kreis Bor­des­holm in den Jah­ren von 1566 bis 1932, „Hans Hinrich“ die gän­gi­ge Va­ri­ante des Na­mens war, obwohl „Hein­rich“ im rest­li­chen deutschen Sprach- und Kul­tur­raum, wohl auch wegen des Na­mens­pa­trons Hein­rich der Hei­lige († 1024), mit Sicher­heit weit­aus wei­ter ver­brei­tet war. Lusti­ger­wei­se wird die­se Vari­ante des Vor­na­mens so­gar zur Be­nen­nung eines Zucker­streu­ers, als „Süßer Hein­rich“, ver­wen­det.

Der Ur­sprung des Na­mens be­ruht of­fen­bar auf den alt­hoch­deut­schen Wör­tern „Heim“ und „reich“, die „Haus­her­ren“ be­nann­ten. Ne­ben die­ser mas­ku­li­nen Form tre­ten seit­her „Hen­ri­ke“ und „Hen­ri­et­te“ als fe­mi­ni­ne For­men in Er­schei­nung. „Hans Hin­nerk“ ist die platt­deutsche Sprach­va­rian­te, die si­cher­lich seit der Grün­dung des Erb­pacht­distrikts Hof­feld im Jahr 1737 üb­lich war und bis heu­te in der Ge­mein­de Hof­feld gern be­nutzt wird.

Ich ha­be bis­her kein Do­ku­ment ge­sehen, in dem der Na­me „Hans Heinrich“ benutzt wurde. Im Zeug­nis der „Poly­tech­ni­schen Schu­le zu Han­nover“ wird der zwei­te Vor­na­me „Heinrich“ ein­fach weg­gelas­sen. In ei­ner Eh­ren­ur­kun­de der Stadt Lam­ba­ayeque (Peru) wird sein Na­me mit „Don Enrique Bruning“ ins Spa­ni­sche über­setzt.

„Zuckerstreuer- Süßer Heinrich (eigenes Foto)“In den Auf­sätzen, die Brü­ning zwi­schen 1906 und 1913 in der Zeit­schrift „Anthro­pophy­teia“ ver­öf­fent­lichte, schreibt er sei­nen ei­ge­nen Na­men „H. Enrique Brüning“. Ob­wohl der Pe­ru­for­scher sich selbst wahr­schein­lich nie „Heinrich“ ge­nannt hat und von an­de­ren zu Leb­zei­ten auch nicht so ge­nannt wor­den ist, wur­de spä­ter in der spa­ni­schen und deut­schen Fach­li­te­ra­tur häu­fig nicht der Tauf­na­me, son­dern die hoch­deut­sche Va­ri­an­te „Hans Heinrich Brüning“ ge­schrie­ben. Das mag si­cher­lich ei­ne Ent­wicklung ge­wesen sein, die durch zahl­reiche Auf­sät­ze des Hei­mat­for­schers Paul Stef­fen, als Vor­strei­ter in der bi­ogra­fi­schen Brü­ning-For­schung, in Gang ge­setzt wur­de. Ich ver­mu­te, dass sei­ne Be­weg­grün­de für die An­pas­sung des Na­mens in der Po­pu­la­ri­tät des Na­mens lie­gen. Als Zei­tungs- und Buch­ver­le­ger war Paul Stef­fen an einer mög­lichst gro­ßen Ver­brei­tung sei­ner For­schungs­er­geb­nis­se in­te­res­siert, des­we­gen bot es sich an, die weit­aus ge­läu­fi­ge­re Va­ri­ante „Hans Heinrich“ zu be­nut­zen. Wo­mög­lich war es sei­ne heim­li­che In­ten­tion, den Be­kannt­heits­grad des Po­li­ti­kers „Heinrich Brüning“ auf den Pe­ru­for­scher „Hans Hinrich Brüning“ ab­fär­ben zu las­sen. Mei­ner Mei­nung nach be­kommt die hoch­deut­sche Ver­sivon „Hans Heinrich Brüning“ so ei­nen fah­len Bei­ge­schmack

Um die­se Un­an­nehm­lich­kei­ten zu um­ge­hen und sich nicht fest­le­gen zu müs­sen, wird der zwei­te Vor­na­me manch­mal auch ein­fach mit „Hans H.“ ab­ge­kürzt. Mitt­lerweile schei­nen sich aber so­wohl in der Ge­schichts­schrei­bung als auch in der Er­in­nerungs­kul­tur wie­der der rich­ti­ge Na­me, al­so der Tauf­na­me „Hans Hinrich Brüning“, und die pe­ru­a­ni­sche Va­ri­ante „Enrique Brüning“ durch­zu­set­zen.